25.07.2022

Erste Stromverbindung zwischen Deutschland und Großbritannien erreicht wichtigen Meilenstein

Luxemburg, Münster - Trotz des Brexits steht beim Ausbau des europäischen Stromnetzes auch der Bau neuer Stromverbindungen nach Großbritannien im Fokus. Jetzt ist ein wichtiger Meilenstein für den Bau des ersten Interkonnektors zwischen Deutschland und Großbritannien erreicht.

 

Der europäische Strommarkt wächst weiter zusammen. Mit dem Interkonnnektor-Projekt NeuConnect biegt jetzt nach der Zustimmung zur Finanzierungsstruktur die erste Stromverbindung zwischen Deutschland und Großbritannien auf die Zielgerade ein. Das milliardenschwere Projekt soll dazu beitragen, die Erneuerbare-Energien-Strategien der EU und des Vereinigten Königreichs umzusetzen.

 

EIB fördert NeuConnect mit 400 Millionen Euro

Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat als Teil eines Konsortiums von mehr als 20 internationalen Banken der Finanzierungsstruktur für die erste Stromverbindung zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich zugestimmt. Insgesamt werden 2,8 Milliarden Euro in den Bau des Interkonnektors investiert.

 

Dazu trägt die EIB bis zu 400 Millionen Euro für den in der EU liegenden Abschnitt bei. An der Spitze des Investorenkonsortiums stehen der französische Investor Meridiam, Allianz Capital Partners, und Kansai Electric Power aus Japan. Neben der EIB beteiligen sich auch die Förderbanken UK Infrastructure Bank und die Japan Bank for International Cooperation (JBIC).

 

Der Bau des ersten deutsch-britischen Stromkabels soll den Stromhandel zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich erleichtern und helfen, große Mengen von Regenerativstrom über die Nordsee hinweg zu handeln. Die Arbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen. Die kommerzielle Inbetriebnahme ist für 2028 geplant.

 

Neu-Connect besteht aus einer Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ), die Großbritannien und Deutschland durch deutsche, niederländische und britische Gewässer verbindet. Sie wird eine Nennleistung von 1 400 Megawatt und eine Gleichspannung von 525 Kilovolt haben. Die 725 Kilometer lange Leitung besteht überwiegend aus Seekabeln. Sie verbindet eine Konverterstation und den deutschen Netzverknüpfungspunkt mit dem Stromnetz des Übertragungsnetzbetreibers Tennet bei Fedderwarden in Niedersachsen und eine Konverterstation und den Netzverknüpfungspunkt der National Grid ESO auf der Isle of Grain in UK.

 

Der Interkonnektor soll im Sinne der Erneuerbare-Energien-Strategie der EU und Deutschlands dazu beitragen, die Offshore-Windkapazitäten an den Küsten unter Berücksichtigung der jeweiligen Windverhältnisse besser zu nutzen und die Klimaziele zu erreichen.

 

Länder in Europa rücken beim Stromaustausch immer enger zusammen

Das Projekt Neu-Connect ist nur ein Interkonnektor-Projekt in einer Reihe von Vorhaben, die das europäische Stromnetz enger zusammenrücken lassen. Im Rekordtempo werden neue Stromverbindungen geplant und gebaut. Nachfolgend eine Auswahl wichtiger Vorhaben:

 

Bereits in Betrieb ist zwischen Frankreich und Großbritannien die Gleichstromverbindung ElecLink, die mit einer Kapazität von 1.000 MW durch den Eurotunnel verläuft. Die Idee für das französisch-britische Vorhaben ist auf ein gemeinsames Kommuniqué zwischen der französischen und britischen Regierung über gemeinsame Energieprojekte aus dem Jahr 2012 zurückzuführen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 23. Februar 2017. ElecLink wurde am 25. Mai 2022, zunächst noch mit einer Kapazitätsbeschränkung, in Betrieb genommen.

 

Seit 2019 fertiggestellt ist zwischen den Niederlanden und Dänemark die Seekabelverbindung COBRA, bei der es sich um ein Projekt zwischen dem niederländischen Netzbetreiber Tennet und dem dänischen Netzbetreiber Energienet handelt. Der Bau startete 2016, die Fertigstellung erfolgte Anfang 2019. Das Stromkabel, über das vor allem Ökostrom ausgetauscht wird, verläuft von Eemshaven (Niederlande) an der Emsmündung in die Nordsee über Deutschland bis nach Endrup (östlich von Esbjerg) in Dänemark.

 

Seit Ende Mai 2021 ist die Strom-Seekabelverbindung NordLink zwischen Norwegen und Deutschland offiziell eingeweiht. Der Interkonnetor hat eine Kapazität von 1.400 MW und dient auch dem Stromaustausch zwischen deutscher Windenergie und norwegischer Wasserkraft. Baubeginn der Gleichstromverbindung zwischen Wilster, nahe Brunsbüttel (Deutschland) und Tonstad, südöstlich von Stavanger (Norwegen), war 2016. Anfang Dezember 2020 startete der Probebetrieb der 623 km langen Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) und ab April 2021 erfolgte der Übergang in die Betriebsphase.

 

In Bau ist zwischen Großbritannien und Dänemark die HGÜ-Verbindung Viking Link. Den Auftrag für den Bau der zwei Konverterstationen hat Siemens Energy gewonnen. Der Auftrag umfasst ein 1.400 MW Konverter-System. Den Zuschlag für die Entwicklung des Kabelsystems hat die italienische Prysmian Group erhalten, die für das Projekt insgesamt 1.250 Kilometer Kabel der Unterwasserstrecke und rund 135 Kilometer Landkabel auf der britischen Seite liefert.

 

Zwischen Irland und Frankreich wird darüber hinaus die Celtic-Stromverbindung geplant. Seit 2011 arbeitet der irische Übertragungs-Netzbetreiber EirGrid mit seinem französischen Pendant Réseau de Transport d'Électricité (RTE) zusammen. Geplant ist ein System mit einer maximalen Austauschkapazität von 700 MW. In Irland wird das bestehende Umspannwerk in Knockraha, nordöstlich von Cork genutzt. In Frankreich wurde das Umspannwerk La Martyr (östlich von Brest) als bester Standort für den Anschluss an das bestehende Übertragungsnetz identifiziert.

 

 

Quelle: IWR Online
© IWR, 2022

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